Wie iTunes zum wichtigsten Musikladen der Welt wurde

(Publiziert auf DRS3.CH im Rahmen eines Rückblicks auf die Nullerjahre 2000-2009.)

Es brauchte viel Überzeugungsarbeit seitens Apple, die fünf grossen Plattenfirmen für einen «digitalen Plattenladen im Internet» zu gewinnen. Das Internet hatte zuvor das Ende einer goldenen Ära eingeleitet.
Itunes
Apple Chef Steve Jobs lieferte die richtigen Argumente für seinen iTunes Music Store: «Nicht jeder, der seine Musik gratis vom Internet runterlädt handelt in schlechter Absicht, er hat gar keine legale Alternative.»

MP3-Tauschbörsen wie Napster und Kazaa liessen die Umsätze mit Musikkonserven anfangs Nullerjahre erstmals zurückgehen, das Internet hatte sich bereits selber zu einem kostenlosen Plattenladen gemacht.
Plattenindustrie förderte unbewusst die verhassten Tauschbörsen
Die Plattenindustrie konterte mit dem Kopierschutz auf den Musik-CDs und trieb damit noch mehr Kunden in die Tauschbörsen, denn der Kopierschutz verhinderte auch die Herstellung eines MP3 zum eigenen Gebrauch. Diese Entwicklung lieferte Apple Chef Steve Jobs die richtigen Argumente für seinen iTunes Music Store: «Nicht jeder, der seine Musik gratis vom Internet runterlädt handelt in schlechter Absicht, er hat gar keine legale Alternative.» Musik aus dem Internet zu beziehen war schlicht zu einfach und zu natürlich, die CD als Tonträger längst obsolet. Es war an der Zeit, einem technologiebegeisterten und zahlungswilligen Publikum eine Alternative zu den Tauschbörsen zu bieten.

Die Majors willigen ein, anfänglich nur unter der Bedingung «DRM»

Als iTunes 2003 als erster Musikladen ans Netz ging, konnte Apple viele dieser Versprechen einlösen.
Die fünf «Majors» verpflichteten sich, mit wenigen Ausnahmen, ihren gesamten Katalog für den Verkauf via iTunes zu einheitlichen Preisen zur Verfügung zu stellen. Die Bedingung: Die digitale Musik musste per «DRM» (Digital Rights Management) vor der weiteren Verbreitung via Internet geschützt werden. Noch immer hatte also die Nase vorn, wer seine Songs aus einer anderen Ecke des Internet und ohne zu bezahlen herunter lud, denn dieser iTunes-Kopierschutz verhinderte das abspielen auf nicht-Apple-Geräten, wie Autoradios oder markenfremden MP3-Playern.

Marktbeherrschung trotz Amazon, Ende des «DRM»

iTunes hat der Musik-Industrie einerseits einen Weg aus dem Jammertal der Internet-Piraterie geöffnet, die Plattenmultis aber auch in eine unangenehme Abhängigkeit gebracht. Der iTunes Marktanteil von rund 70% aller digital vertriebenen Musik hat Apple zu einem übermächtigen Verhandlungspartner gemacht.
In einem Versuch, die Stellung von Apple zu untergraben haben die Plattenfirmen ihren Musik-Katalog dem Internet-Warenhaus Amazon vollumfänglich ohne Kopierschutz zur Verfügung gestellt, jedoch ohne durchschlagenden Erfolg.

10 Milliarden Songs

Im Januar 2009 verabschiedeten sich die Majors dann endlich auch auf iTunes von Digital Rights Management, im Gegenzug erhielten sie die Möglichkeit, einzelne Musikstücke zu unterschiedlichen Preisen anzubieten.
An der Marktstellung von iTunes hat sich damit nicht viel geändert. In den Industrienationen hat iTunes einen Marktanteil von 25% aller verkauften Musik. Erst kürzlich wurde der 10-Milliardste Song heruntergeladen. (luc)

Viele bunte Megabits

"Sie haben den ersten privaten Swisscom Fibre Anschluss in Basel."
Mit diesen Worten verabschiedete sich der Swisscom-Techniker und hinterliess mir einen fröhlich blinkenden Fibre-Router. 

Damit endete eine 18monatige Projektphase mit Prüfung der Liegenschaft, aufgerissenem Trottoir, losem Glasfaserkabel im Keller, Kundenberatung sur place, Installation einer Steigzone im Haus, unterzeichneten Leistungsvereinbarungen und unzähligen Telefonaten mit verschiedensten Swisscom Mitarbeitern. 

(download)

Damit endet für mich auch die Kupfersteinzeit und es beginnt die Glasfaserzeitrechnung.

Speedtest

Natürlich ist das keine Angeberei, sondern eine rein statistische Einordnung!
Beim Upload ist's noch extremer:

Speedtest

Zu meinem Erstaunen liefern gewisse Server auch tatsächlich so viel Speeeed...

Mini-8-1-1

In 20 Sekunden hat man so auf iTunes ein ganzes Album gekauft. Und "Ich muss das schnell im Internet nachsehen" bekommt eine völlig neue Bedeutung....

Müllers Intelligente Wiedergabelisten

3350life_is_random

Life is random - Das Leben ist Zufall.
Dieser Claim stand gross auf den Werbeplakaten, die den ersten iPod Shuffle anpriesen.
Wer seine Musiksammlung in iTunes & Co regelmässig im Shuffle Modus hört, hat aber entweder keinen Musikgeschmack oder nur 100 Titel in seiner Bibliothek. Wer Tausende von Songs in iTunes verwaltet, hat das Bedürfnis die Musik logisch zu ordnen, um dem zufälligen Chaos entgegenzuwirken.
Seit einiger Zeit stellt iTunes dafür eine wunderbare aber oft verkannte Funktion bereit: Intelligente Wiedergabelisten.
Menuitunes
Intelligente Wiedergabelisten füttert man nicht eigens von Hand, in dem man einzelne Titel hinzufügt, sondern man erstellt Regeln anhand derer das iTunes die Listen selbständig erstellen kann.
Dabei können sämtliche Informationen eines Titel, wie Jahrgang, Genre, Länge, Tempo, Bewertung usw. verwendet werden.

Die Kombination mehrerer solcher Kriterien machen das erstellen dieser Regeln erst richtig interessant:

Beispiel 1:  Titel, die ich neu in iTunes habe (aber keine Oldies bitte)
Neue_mucke
Beispiel 2: Vergessene Perlen
Vergessene_perlen
Beispiel 3: Black Musik
Black_music

So weit so gut. Doch richtig cool wird das ganze, wenn man die Titel in iTunes mit Informationen wie Sprache oder Geschlecht ergänzt. Gibt etwas Handarbeit, aber bringt zusätzliche Möglichkeiten. Am besten platziert man diese Zusatzinfos im Feld "Kommentar". Die Tempo-Angaben in BPM sind ebenfalls sehr nützlich. Es gibt verschiedene Tools, die das Tempo der Songs in iTunes berechnen können. (Siehe Links)
Infofeld
Beispiel 4: Chansons und Canzoni
Chansons_cantautori
Beispiel 5: 4 to the floor
4_to_the_floor
Es sind natürlich noch ganz andere Wiedergabelisten denkbar. Wenn man erst einmal die verschiedenen Kriterien mit einander zu verknüpfen beginnt dann gehen einem schnell die Lichter auf.

Links BPM Berechnung:
BPM Analyzer (Win/Mac, Freeware) 
Tangerine BPM (Mac, Shareware, 25$)

Die zwei Gesichter des Kaspar V

Kaspar «Trust» Villiger (pronounced Caspar Veeleeger) is a Swiss industrialist, politician and former member of the Swiss Federal Council. (Q:Wikipedia)

Er soll die UBS retten - ja, haben wir alle gesehen, gelesen, gehört. Warum ich hier poste hat einen anderen Grund: 

Folgender Screenshot von der Frontseite von sf.tv stammt von heute morgen früh (ca 07:45).
Der Chäschpi den wir hier sehen hat den Gesichsausdruck eines Raumschiff-Kapitäns auf der Gefechtsstation.
Safari6
Erinnert mich spontan an folgende Szene aus "The Fifth Element":
Der Präsident sagt dem Kapitän des Flaggschiffes, er habe Zweifel ob es klug sei, das Feuer zu eröffnen. "Ich nicht" erwidert der Captain und ballert los.
The_fifth_element1997dvdripeng
Rund zwei Stunden später gehe ich wieder auf die Front von sf.tv und siehe da; jemandem war die "ich baller erst mal los und schau nachher was passiert"-Miene Villigers doch zu unaltbundesrätlich. Käspi lächelt plötzlich ganz fröhlich/freundlich in die Kamera:
Safari7
Passt auch viel besser zu Jemandem, der das Vertrauen in die Grossbank wieder herrichten soll: Kaspar «Trust» Villiger eben.
Offen bleibt, wer das Portrait Villigers auf der Webseite hat austauschen lassen. (Ein Leser? Der CR? Die Deltenre?) 

Das Problem mit den Musik-Genres

Wer jemals versucht hat, seine Musik-Sammlung anhand von Musik-Stilen zu organisieren hat schnell gemerkt:
Entweder erfinde ich für fast jede Platte eine neue Stilrichtung (weil "Alternative&Punk" die Musik nicht im geringsten beschreibt), oder ich reduziere die Genres auf die Wesentlichsten (uns schmeisse alles mit Stromgitarren in das Genre "Rock", egal ob AC/DC oder Soundgarden).
Ich bin sicher, dass nur die zweite Variante sinnvoll ist: 
Itunes-2
Allerdings bringt sie grosse Unschärfen mit sich, was mich zu folgender Überlegung bringt:
Kann ich sämtliche U-Musik mit einer Art "Smart-Spider" treffend kategorisieren? Ich lasse dabei mehrere Stilrichtungen zu und kann ihren Grad gleichzeitig abstufen.
Zum Beispiel mit folgendem Raster:

1. Pop
2. Rock
3. Blues
4. Black
5. Country & Folk
6. Jazz

Dazu bringe ich noch zwei MODIFIER, mit denen man das Mass an Elektronik und Alternativeness beschreibt.

1. Mainstream <-> Alternative
2. Analog <-> Elektronisch

Mit dieser Methode schaltet man "Alternative" als Stilrichtung aus, was es nämlich nicht ist, genauso "Electronic".
Das Resultat wäre ein Fingerabdruck, oder eben Genre-Spider, der den Stil der Musik in den meisten Fäller sicher besser abbildete als eine fixe Schublade.
Etwa so:
Smartgenrespider
Um die Musik beispielsweise in iTunes nach ihrem Genre zu organisieren, könnte der User bestimmen, wie genau sich die Titel, bzw. ihre Smart-Spiders decken müssen, um als stilistisch verwandt zu gelten und in einer gemeinsamen Playlist zu erscheinen.

Könnte das Prinzip funktionieren?
Auf wieviele (und welche?) Genres müsste man den Smart-Spider reduzieren?